Warum ich als Fotograf Social Media (nicht) brauche

Social Media ist für Fotografen ein Muss. Insbesondere für freie Fotografen ein (Über)Lebenselixier. Doch was ist dran an solchen Aussagen? Brauche ich als Fotograf einen Auftritt bei Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und Co? Über viele Jahre investierte ich viel Zeit und Arbeit in meine Auftritte bei Facebook und Instagram. Bis ich vor einigen Jahren erst Facebook und später Instagram verließ. Warum ich dort heute wieder vertreten bin und welche Alternative aus meiner Sicht für Fotografen wesentlich effektiver als Social Media ist, um Aufträge zu bekommen, erläutere ich in diesem Artikel.

Tausende von Follower, regelmäßige Features, Anfragen von TV-Sendern, Ministerien und Unternehmen, ob sie meine Fotos teilen dürfen. Mein Auftritt auf Instagram erfreute sich großer Beliebtheit und dennoch löschte ich ihn eines Tages. Für diesen Schritt erntete ich viel Unverständnis. Als freier Fotograf müsste ich doch auf Instagram vertreten sein – und ich sei doch so erfolgreich gewesen. War ich das? Erfolgreich? Wenn ich die eingangs zitierten Punkte zugrunde legen würde, dann war ich erfolgreich. Beim Blick auf meine Auftragsliste war Instagram ein Reinfall.

Keine Aufträge über Social Media

„Wie viele Aufträge habe ich über Instagram erhalten?“ war eine Frage, die ich den Teilnehmern meiner Fotoseminare immer gerne gestellt habe. Und nie erhielt ich die korrekte Antwort, welche 0 lautet – NULL. Beim genauen Blick auf die Plattform verwundert es wenig, dass die Antwort so ausfällt. Schließlich geht es ums schnelle Konsumieren von Bildern und Videos. Um das ständige Konkurrieren mit anderen Fotografen, die ähnlichen Content bieten. Deine Follower folgen Dir, weil sie deine Fotos gerne anschauen, aber nicht, um dich als Fotograf zu engagieren. Sie wollen von deinen Fotos profitieren, in dem sie diese auf ihrer Seite vorstellen. Du fühlst dich geehrt, aber in Wirklichkeit nutzen sie deine Fotos, um ihren eigenen Kanal nach vorne zu bringen.

Eine zu negative Sicht auf die Dinge? Mag sein, aber als (freier) Fotograf musst du Umsatz machen und nicht Stunden auf Social Media vergeuden. So ist die Gefahr groß, dass du anfängst, Fotos für Instagram zu produzieren. Was kommt gut an? Welchem neuen Trend muss ich hinterher hecheln? An welche angesagte Location muss ich fahren? Um noch wahrgenommen zu werden, gibst du beim Bearbeiten deiner Fotos alles – greller, bunter, lauter. Mit einer eigenen Handschrift hat das nichts mehr zu tun. Du produzierst nur noch Content für andere – insbesondere Instagram. Das Unternehmen dankt (dir) und verkauft ordentlich Werbung.

Verkaufe deine Arbeit nicht unter wert

Wenn dann doch ein potenzieller Kunde bei dir anklopft, wird es interessant. Und meist schnell wieder uninteressant, weil es sich überwiegend um private Kunden handelt. Vielleicht sind sie an Porträts interessiert, an der Begleitung einer Hochzeit, aber – so meine Erfahrung – sobald sie die Preise für deine Arbeit erfahren, melden sie sich nicht mehr. Oder wollen sich später noch einmal melden. Was nie passiert. Denn da draußen gibt es genug Fotografen, die sich und ihre Arbeit unter Wert verkaufen. Da ich aber bei meinen Honoraren stur und nicht bereit bin, meine Arbeit weit unter Wert zu verkaufen, geht so mancher Auftrag an mir vorüber. Was ich gut verschmerzen kann.

Und doch bin ich (wieder) auf verschiedenen Social Media-Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Pinterest) vertreten. Hintergrund ist die so genannte „Soziale Festung“, die ich mir damit aufgebaut habe, um den für mich wichtigsten Verkaufskanal nach vorne zu bringen – meinen Internetauftritt. Über diesen generiere ich neben der altbewährten Mundpropaganda meine meisten Aufträge. Eng verknüpft mit dem Erfolg meines Auftritts ist mein Profil bei Google MyBusiness. Dies ist nach meiner Erfahrung die effektivste Alternative zu sozialen Netzwerken.

Google MyBusiness als Alternative

Denn was machen die meisten Nutzer, wenn sie im Internet etwas suchen? Genau, sie Googlen. Zum Beispiel einen Fotografen in der Nähe ihres Wohnorts. Und dann taucht da euer Name auf. Oder meiner. Verbunden mit allen wichtigen Informationen zu eurem Unternehmen wie Adresse, Kontakt, Internetseite und Fotos eurer Arbeiten. Zudem genießt Google ein großes Vertrauen. Ganz anders als Facebook, das in den letzten Jahren viel Vertrauen eingebüßt hat. Insofern ist es mir ein Rätsel, warum viele Unternehmen nur einen Auftritt bei Facebook haben, aber keinen eigenen Internetauftritt. Seriös geht anders. Hat ein potentieller Kunde euch erst einmal bei Google entdeckt, ist er nur noch einen Klick von eurem Internetauftritt oder Anruf bei euch entfernt.

Um soziale Netzwerke komme auch ich nicht herum, wenn ich meiner Internetseite mittels dieser noch mehr Vertrauen für Google geben möchte. Wirklich viel Engagement stecke ich zurzeit in keinen Auftritt. Mal einen Link auf Facebook, ein Foto auf Instagram oder einen Film auf YouTube. Pinterest finde ich zwar sehr spannend, aber auch dort engagiere ich mich erst dann mehr, wenn mein Internetauftritt deutlich mehr Artikel aufweist. Bis dahin pflege ich weiterhin Google MyBusiness und mache Fotos, Fotos, Fotos. Denn ohne die brauche ich mir über „Warum ich als Fotograf Social Media (nicht) brauche“ keine Gedanken machen…

7. April 2021