Landschaften

Von wegen blauer Himmel: Landschaft in s/w

Der Frühling ist schon da. Seit dem 20. März, so steht es in meinem Kalender. Mit Frühling verbinde ich erste warme Sonnenstrahlen, blühende Blumen und junges frisches Grün wohin das Auge blickt. Von dieser romantischen Gefühlsduselei sehe ich an diesem Morgen aber nichts. Stattdessen blicke ich in einen grauen Himmel, der immer mal wieder ein paar nasse Schneeflocken zur Erde schickt.

An solch tristen, trüben Tagen gehen die wenigsten mit der Kamera vor die Tür. Keine Sonne plus kein blauer Himmel gleich keine Fotos. Eine Gleichung, die ich nicht akzeptieren mag. So wie es kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung gibt, gibt es auch kein Wetter, bei dem es sich nicht lohnt, die Kamera rauszuholen. Einfach mal von dem Gedanken frei machen, dass zu Landschaftsfotos ein blauer Himmel gehört.

So habe ich gestern meine Wanderstiefel geschnürt, den Fotorucksack gepackt und bin drei Stunden durch den Sauerländer Wald vor meiner Haustür gestiefelt. Anfangs war sogar noch ein wenig blauer Himmel dabei als ich mein erstes Motiv erreichte. Ein Motiv, das ich mir allerdings ganz anders vorgestellt hatte. Hatte ich doch vor zwei Wochen einen Hochsitz an einem Baum entdeckt. An sich kein spektakuläres Foto, aber dieser Baum war der einzige, den die Holzfäller auf einer großen Waldfläche hatten stehen lassen. Für den Sturm Niklas eine Einladung, die dieser gerne annahm, wie auf dem Foto zu sehen ist. In dieser Liegeposition hat sich der Abschuss von Wild erledigt…

Wenn es mit den Farben in der Landschaft so gar nicht passen will, dann entziehe ich diese dem Foto komplett. Schwarzweiß ist eine spannende Alternative. Der Verzicht auf Farben lässt ein Foto zeitlos erscheinen und lenkt den Blick auf Inhalte, die sonst unbeachtet blieben. Was bei den vier Fotos auffällt, dass schwarzweiß nicht gleich schwarzweiß ist. So wirkt das Foto von dem liegenden Hochsitz sehr dokumentarisch. Der starke Kontrast durch die Sonneneinstrahlung wurde in der Bearbeitung noch einmal verstärkt, ähnlich dem früher in der Analogfotografie üblichen Einsatz eines Rotfilters. Bei dem anderen Hochsitz habe ich auf eine durchgehende Schärfe geachtet, damit der spannende Waldboden zur Wirkung kommt. Ein Sepia Ton unterstützt die leicht mystische Stimmung des Fotos. Auf starken Kontrast setzte ich bei dem Himmelsfoto, um die unterschiedlichen Wolken herauszuarbeiten. Hohen Kontrast zeichnet auch das vierte Foto aus, hier kam zusätzlich eine Vignette zum Einsatz, um den Blick auf den Waldweg zu lenken.

Vier ganz unterschiedliche Fotos, die zeigen, dass auch bei „schlechten“ Bedingungen spannende Fotos entstehen können. Einfach mal von den Postkartenfotos im Kopf verabschieden und losziehen. Es lohnt sich – ganz bestimmt.