Landschaften

Frankfurt bei Nacht: Lichter, überall Lichter

Willst du hohe Häuser sehen, musst du zu den Frankfurtern gehen. Zumindest in Deutschland findet sich keine zweite Stadt, die so viele Wolkenkratzer auf einem Fleck vereinigt. Was bereits tagsüber beeindruckend aussieht, wird in der Nacht – dank unzähliger Lichter – spektakulär. Einen Kurztrip in die Mainmetropole nutzte ich, um mein neues Mini-Stativ in der Praxis auf die Probe zu stellen.

Auf manchen Reisen steht das Fotografieren nicht im Vordergrund, so dass ich nur eine Kamera, maximal zwei Objektive und ein Mini-Stativ mitnehmen kann und will. So stand mir für die nächtlichen Aufnahmen in Frankfurt eine Canon EOS 7D sowie das Canon EF 24-70mm f/4L IS USM und das EF 50mm f/1.4 USM zur Verfügung. Als Mini-Stativ hatte ich das in Deutschland eher unbekannte Ultra-Pod II des US-amerikanischen Herstellers Pedco im Gepäck. Nachdem mich das GorillaPod von Joby (instabil, instabil und nochmals instabil) überhaupt nicht überzeugen konnte, fiel meine Wahl auf das Ultra-Pod – übrigens Made in U.S.A. Für rund 25 Euro bietet das kompakte und leichte Kunststoffteil ein super Preis-/Leistungsverhältnis. Auf den drei Beinen, die für einen rutschfesten Stand am Ende dick gummiert sind, steht selbst eine Vollformatkamera absolut sicher. Der Clou ist aber der starke Klettverschluss, der eine Befestigung zum Beispiel an Pfosten, Bäumen, Zäunen oder Rahmen in wenigen Sekunden ermöglicht. Hinzu kommt ein Kugelkopf-System, das eine sichere Befestigung in jeder gewünschten Lage ermöglicht.

Das Ultra-Pod II ist ein leistungsstarkes Mini-Stativ. (Foto: Michael Kaub)
Das Ultra-Pod II ist ein leistungsstarkes Mini-Stativ. (Foto: Michael Kaub)

Erster Test an der Alten Oper. Ran mit dem Stativ an ein Metallgestell, Kamera mit dem Weitwinkel festschrauben, ausrichten, fertig. Ausgelöst wurde bei ISO 100 mit Blende 9 und 3.2 Sekunden. Nicht ein Hauch von Instabilität in der Aufnahme zu erkennen. Dann kann ich ja mutiger werden. Raus an den Main zu einer über diesen führenden Eisenbahnbrücke. Ans Geländer klette ich die Kamera aber nicht. Vertrauen ist zwar gut, aber wenn die Kamera fällt, versenke ich ein paar Euro im Main. Lieber die Beine ausklappen, Kamera drauf, Kopf ausrichten und hoffen, dass kein Zug oder Jogger kommt. Die Brücke wippt nämlich enorm. 15 Sekunden Belichtungszeit können einem extrem lange vorkommen. Es passt aber: Blende 11 bei ISO 100 mit dem 50mm-Objektiv. Die Lichter der Hochhäuser spiegeln sich sehr schön im Main, der in diesem Abschnitt zwischen zwei Schleusen eine ruhige Wasseroberfläche besitzt. Ideale Bedingungen für eine solche Aufnahme. Zum Abschluss will ich noch auf die Besucherplattform des Maintowers und die Lichter der Großstadt einfangen. Oben angekommen vermisse ich ein richtiges Stativ. Wo soll ich hier das Stativ festmachen? Etwa vor die Glasscheibe stellen und über die Großstadtlichter hinweg fotografieren? Den ISO-Wert raufsetzen? Dann kann ich gleich wie alle anderen mit dem Smartphone fotografieren. Dann fällt mein Blick auf eines dieser „Münzgräber“ – Ferngläser, die nach dem Einwurf von einem Euro für ein paar Sekunden den Blick in die Ferne freigeben. Doch nachts hat keiner Lust dazu, so dass ich die Halterung über dem Fernglas nutze, um mein Stativ anzubringen. Herrlich, jetzt kann ich es sogar noch schwenken und ganz leicht in die passende Position bringen. Zwei Aufnahmen mit dem Weitwinkel entstehen bei ISO 100, Blende 11 und 15 Sekunden.

Mein Fazit fällt rundum positiv aus. Frankfurt ist für Nachtaufnahmen ein feines Städtchen und das Objektiv leistet hervorragende Arbeit. Bei einem weiteren Besuch, der ausschließlich der Fotografie gewidmet ist, würde ich aufgrund der höheren Flexibilität dann doch ein ordentliches Stativ im Gepäck haben.