Landschaften

Fototour mit Gänsehaut-Garantie

Tief im Hagener Süden, an der Grenze zum Märkischen Kreis, finden sich im einsamen Sterbecker Tal der westfälischen Großstadt die Reste einer Sprengstofffabrik, die 1904 von Dortmund nach Hagen-Rummenohl verlegt wurde. Von Rummenohl kommend verläuft die Straße oberhalb der ehemaligen und teilweise verfallenen Arbeiterhäuser am Hang entlang. Aus dem Auto heraus lässt sich noch nicht einmal erahnen, was einen in diesem Tal erwartet.

Doch zuerst einmal die Fakten – wobei Vermutungen, Spekulationen und Geheimnisse bis heute die gesicherten Erkenntnisse überlagern. Fakt ist, dass ab 1910 in der Fabrik, die später zu Dynamit Nobel gehörte, Dynamit hergestellt wurde und die Produktionsanlagen 1932 aufgelassen und demontiert wurden. Doch bereits das Jahr der Stilllegung wird angezweifelt. Einige wollen nicht glauben, dass die vorhandene Infrastruktur im Zweiten Weltkrieg zur Herstellung von Sprengstoff keine Rolle gespielt haben soll. Gerne erzählt wird auch die Geschichte von den Arbeiterinnen, die im Mädchenheim untergebracht waren, und nicht alt geworden sind, weil sie das hochexplosive Pulver mit bloßen Händen zusammenmischten. In den Archiven gibt es in der Tat Beläge darüber, dass der zuständige Werksarzt Handschuhe beantragt hat, diese aber von der übergeordneten Dienststelle in Arnsberg abgelehnt wurden.

Mit diesem Wissen im Gepäck stellt sich in dem engen, kalten Tal wie von selbst eine Gänsehaut ein. Das Gelände mit den Arbeiterhäusern befindet sich in Privatbesitz. Dies sollte bei einer Fototour unbedingt berücksichtigt werden. Erfreulicherweise sind die wesentlich spannenderen Motive der ehemaligen Sprengstofffabrik im Wald frei zugänglich. Bevor es aber ans Fotografieren geht, geht es erst einmal mit der Ausrüstung auf der ehemaligen Trasse der Werksbahn den Berg hinauf. Über 200 Höhenmeter gilt es zu überwinden, festes Schuhwerk ist insbesondere für Aufnahmen außerhalb des Weges somit Pflicht. Die Fotos dieses Artikels sollen einen ersten Überblick geben, welche Motive einen im Wald erwarten. Im Frühjahr wird es einen weiteren Artikel mit Aufnahmen aus dem Tal geben.

Wem der Aufstieg aus dem Tal zu mühsam ist, der kann auch ins Tal hinab steigen, um der „Geisterstadt“ einen Besuch abzustatten. Oberhalb des Tales führt die Autobahn A 45 – Sauerlandlinie – vorbei, für deren Bau ein Teil des Fabrikgeländes unter einem Damm verschwand. Entweder sucht man vom Rastplatz Rölvedermühle (Fahrtrichtung Frankfurt) den Weg durch den Wald oder vom Rastplatz Kaltenborn (Fahrtrichtung Hagen) in gebückter Haltung durch einen Wasserdurchlasstunnel zur ehemaligen Fabrik. Neben verfallenen Gebäuden finden sich im Wald noch einige Stolleneingänge und Teiche. Wer den Grusel nicht scheut oder sogar auf der Suche nach ihm ist, der wird in diesem Tal sicher „unheimlich schöne“ Motive einfangen.