Landschaften

Ein Tal von besonderem Zauber

Bachtäler gibt es im waldreichen Sauerland viele – doch solche wie das Bommecketal im Plettenberger Ortsteil Böddinghausen sind auch im Land der tausend Berge sehr selten. Wer die letzten Häuser an der Straße „In der Bommecke“ hinter sich lässt, spürt bereits beim Übergang in den Wald den besonderen Zauber dieses Tales.

Selbst in heißen Sommern empfängt das enge und schattige Bachtal den Wanderer mit feucht-kühler Luft und angenehmen Temperaturen. Die Bilder dieses Beitrages sind bei einer Fototour im Juni 2013 entstanden. Unterwegs war ich mit einer Canon EOS 7D, Neutraldichtefilter der britischen Firma Lee, Manfrotto-Stativ und dem 12-24mm F4 von Tokina.

Dass der besondere Charme dieses tief eingeschnitten Tales heute so erlebbar ist, ist keineswegs selbstverständlich. Als in den 1960er Jahren der Wohlstandsmüll auch im beschaulichen Plettenberg ungeahnte Ausmaße annahm, wurde darüber nachgedacht in dem abseits gelegenen Tal eine Mülldeponie einzurichten. Es ist vor allem dem Lüdenscheider Ernst Schröder und dem Plettenberger Heinrich Wolf zu verdanken, dass es nie dazu kam.

Ein Tal von besonderem ZauberDas Bommecketal blieb nicht nur erhalten, sondern wurde am 1. Februar 1985 auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die anfängliche Größe von 42,5 Hektar wurde 1992 durch Ankauf, Flächentausch und Zusammenlegung auf rund 71 Hektar erweitert. In diesem Naturrefugium entspringt die Bommecke (wörtlich „von Bäumen bestandener Bach“) in einer Höhe von 405 Metern und verschafft sich auf ihrem rund drei Kilometer langen Weg bis zur Mündung in die Lenne ein ums andere Mal in dem ansonsten ruhigen Tal beim Wanderer Gehör.

Wer dem Wanderzeichen U und dem Bach auf einem Forstwirtschaftsweg leicht bergauf folgt, ahnt von der kurze Zeit später einsetzenden Geräuschkulisse noch wenig. Doch mit jedem Schritt bergauf ändert sich das Bild vom Bach und mit ihm die Geräusche im Wald. Immer tiefer hat sich der Bach im Laufe der Zeit in das Gestein des Ebbegebirges geschnitten. Teilweise erreicht das Tal klammartigen Charakter und der Bach gerät aus dem Blick. Dafür ist das Rauschen des Wassers, das über mehrere kleine Wasserfälle und Stromschnellen den Weg ins Lennetal sucht, immer stärker zu vernehmen. Festes Schuhwerk ist Pflicht, bei hohem Wasserstand sollten Gummistiefel mit rutschfester Sohle die Füße „kleiden“.

Ein Tal von besonderem ZauberEs empfiehlt sich bereits am Anfang des Tales den Weg ins Bachbett zu suchen, da im klammartigen Abschnitt ein Abstieg äußerst riskant ist. Ein Aufstieg im Bachbett schont zudem die seltenen Pflanzenarten am Bachufer. Bei meiner Tour im Juni war der Wasserstand sehr niedrig, so dass sich Aufnahmen aus dem Bachbett besonders anboten. Selbst im Sommer fällt nur wenig Licht ins Tal – ein Neutraldichtefilter hätte sich fast erübrigt. Aber nur fast. Letztendlich kam ein 0.6 Standard-Neutraldichtefilter aus Kunststoff von Lee zum Einsatz, um den Verlauf des Wassers noch harmonischer abzubilden. Morgens früh ist im Sommer das Licht sehr gleichmäßig im Bommecketal, so dass ich erfreulicherweise kaum mit Spitzlichtern zu kämpfen hatte.

Besonders bemerkenswert sind nach dem Plettenberger Ludwig Erbeling, der das Bommecketal umfassend dokumentiert hat, die im Mittelgebirge seltenen Strudeltöpfe. Die oberhalb des Bachbettes liegenden Hohlformen entstanden an Felsbarrieren durch mittransportierte Steine, die die Hohlformen ins Gestein mahlten. Bei einer kommenden Tour, wenn der Wasserstand der Bommecke höher ist, werde ich mein Augenmerk auf diese Strudeltöpfe richten. Erbeling untersuchte mit 23 weiteren Spezialisten die Fauna, Flora und Geologie des Naturschutzgebietes. Weit über 2100 Tierarten, mehr als 400 Pflanzenarten und über 80 Flechten konnten dokumentiert werden – einige Arten waren Erstnachweise für Deutschland. Durch diese Monografie ist das Bommecketal neben dem Naturschutzgebiet Heiliges Meer das am besten untersuchte Gebiet in Westfalen.

Der SGV Eiringhausen hat einen Wanderflyer zum Bommecketal herausgegeben, der einen 4,5 Kilometer langen Rundweg beschreibt. Startpunkt ist der Parkplatz am Freizeitbad AquaMagis, den wanderfreudige Autofahrer auch ansteuern sollten, da am Ende der Straße In der Bommecke keine öffentlichen Parkplätze zur Verfügung stehen. Auf der Internetseite des SGV kann der Flyer kostenlos heruntergeladen werden.