Landschaften

Bergbau, Panzer, Religion und ganz viel Natur: Eine Fototour durch die Wahner Heide

„In Köln kannst Du doch keine Landschaftsaufnahmen machen.“ Völlig abwegig fand mein Kölner Freund die Idee, in der rheinischen Frohsinnsmetropole solche Fotos zu machen. Sein Lachen klang noch Tage später in meinen Ohren nach. Aber so etwas spornt mich nur an und bei der Recherche stieß ich recht zügig auf die Wahner Heide. „Das artenreichste Naturschutzgebiet NRWs“ – das hörte sich auf dem Internetauftritt des Bündnis Heideterrasse e.V. sehr vielversprechend an. Von den zehn gelisteten Rundwanderwegen suchte ich mir die Fliegenberg-Tour aus. Die führt zwar nicht über Kölner, sondern Troisdorfer Stadtgebiet, aber das wäre jetzt Erbsenzählerei. Schließlich muss man die Wahner Heide als Ganzes betrachten. Ich höre den kölschen Jung schon wieder lachen. Aber jetzt wandern wir endlich los.

Los geht es für mich mit dem Auto anreisenden auf einem Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Aggerstadion. Einfach die Taubengasse bis zum Ende durchfahren und den Wanderparkplatz sowie die Schranke vor dem Stadion ignorieren. Selbst an diesem warmen Sonntagmorgen im August finde ich noch problemlos einen Parkplatz. Kaum ausgestiegen fällt mein Blick auf das Wanderzeichen, das mich auf der rund 8,5 Kilometer langen Tour begleiten wird: Einen gelben Widderkopf auf schwarzem Grund. Begleiten wird mich auch ein weiteres Zeichen, das man in einem Naturschutzgebiet nicht vermuten würde. Das Gefahrzeichen für Explosion prangt auf großen rot-weißen Warntafeln, die den Wanderer darüber informieren, dass die gekennzeichnete rote Zone auf keinen Fall betreten werden darf. Dienten doch bis 2004 weite Teile der Wahner Heide über Jahrzehnte als Truppenübungsplatz. Ich bin nicht scharf darauf, mit einem Blindgänger Bekanntschaft zu machen und halte mich sehr gerne an das Verbot.

Vom Parkplatz aus wandere ich zunächst in den Wald hinein Richtung Güldenberg, da ich mir den wunderschönen Leyenweiher für das Ende meiner Wanderung aufheben möchte. Trotz der Nähe zu einer Millionenstadt begegne ich auf dem Rundweg nur wenigen Wanderern, da die meisten Besucher der Wahner Heide die Wanderparkplätze ansteuern und nur kurze Spaziergänge unternehmen. So kann ich bis auf gelegentlichen Fluglärm des nahen Köln-Bonner-Flughafens, der inmitten der Wahner Heide liegt, die Natur in Ruhe genießen. Meinen ersten Fotostopp lege ich am Quarzitsteinsee ein, der umgeben von hohen Bäumen verwunschen in einem engen Tal liegt. Der See füllt mit seinem Wasser die ehemalige Grube eines Steinbruchs, in dem bis in die 1960er Jahre hinein Quarzit abgebaut wurde. Nur wenige Minuten später trete ich aus dem Wald in die Heidelandschaft hinaus. Plötzlich raschelt es neben meinem Fuß. Eine Zauneidechse möchte offenbar Bekanntschaft mit meiner Kamera machen. Kann sie gerne, aber warte bitte noch, bis ich das Objektiv gewechselt und mich gebückt habe. Im Kasten. Klasse, kann also weitergehen. Hier, am Rande des Fliegenbergs gibt es die größten zusammenhängenden Calluna-Heiden zu bestaunen. Zum Zeitpunkt meiner Wanderung beginnt die Blüte erst, so dass von einem roten Meer noch keine Rede sein kann. Dafür entdecke ich plötzlich viel weiß: Ein Schäfer ist mit seiner Herde unterwegs. Ich begleite und beobachte ihn vom Fuße des Fliegenbergs aus. Hier entsteht auch eines meiner Lieblingsbilder von dieser Tour: Der Schäfer schreitet mit Frau und Kind durch die Heide und die Herde trottet hinterher.

Nach dem Passieren der Kreisstraße erblicke ich rechterhand einen abgestorbenen Baum, dessen Stamm in zwei Hälften zerbrochen und auf den Ästen liegen geblieben ist. Was für ein interessantes Bild, das ich unbedingt festhalten muss. Danach biege ich links auf den Eisenweg ab, der, wie alle anderen Wege und meine Rundtour, sehr gut ausgeschildert ist. Eine Wanderkarte habe ich jedenfalls nicht vermisst. Vom Eisenweg aus kann ich schon bald meinen nächsten Fotostopp ausmachen – den Telegraphenberg. Die Aussicht ist trotz des bewölkten Himmels so herrlich, dass ich eine längere Rast einlege. Im weiteren Verlauf führt der Rundweg zweimal kurz hintereinander über die Straße Mauspfad. Eine etwas unglückliche Wegführung, die vermutlich dem mit Munition belastetem Gebiet geschuldet ist.

Für diesen Schlenker werde ich allerdings mit dem herrlichen Motiv eines alten Baumes inmitten von Farn entschädigt. Das nächste Fotomotiv lässt nicht lange auf sich warten: Die ehemalige Eremitage auf dem Ravensberg. Von der 1670 als Franziskaner-Klause errichteten Eremitage ist nur noch die etwa 15 Millionen Jahre alte Quarzitplatte sichtbar, die Teilen des Gebäudes als Fundament diente. Außerdem erinnern noch ein Fußfall (ein Bildstock, vor dem niedergekniet wird) und ein Gedenkstein, die 2001 renoviert und neu positioniert wurden, sowie ein Grenzgraben an diese Zeit.

Den Abschluss meiner Tour bildet der schöne Leyenweiher. Ein Stau-Teich, der bereits um 1845 angelegt wurde, um das Hochwasser des Leyenbaches kontrollieren zu können. Große Seerosenbestände sowie die abwechslungsreiche Vegetation im Uferbereich machen den See für Fotografen besonders reizvoll. Reizvoll ist er aufgrund seines Fischreichtums auch für zahlreiche „Jäger der Lüfte“, die dort auf Beuteschau sind.

Meine Ausbeute an Motiven war jedenfalls so gut, dass ich der Wahner Heide sicher einen weiteren Besuch abstatten werde. Dann vielleicht auch auf Kölner Stadtgebiet, damit das breite Grinsen im Gesicht des kölschen Jung etwas schmaler wird…