Landschaften

8 Stunden Köln mit 80mm

Du denkst: Eigentlich willst Du gar nicht nach Köln. Schon gar nicht an einem Sonntag. Du musst aber, weil Du vier Jungs zur Gamescom bringen musst. Du hast also acht Stunden Zeit. In Köln. An einem Sonntag. In der Innenstadt. Voll mit Touristen. Du willst nicht, Du musst aber.

Ohne Kamera geht es nicht, geht’s ja nie. Aber kein Bock auf schweres Gerät. Stativ auf keinen Fall, Fotorucksack nie und nimmer. Canons 7D muss aber mit, obwohl es kleiner und leichter geht. Eigentlich problemlos. Aber keinen Bock drauf. Nur ein Objektiv geht mit, kommt drauf. Tele? Bist Du jeck? Weitwinkel? Hallo? Bleibt nur was kleines leichtes. 50 mm, lichtstarke Festbrennweite. An der 7D sind’s 80mm. Okay, Köln mit 80mm.

Weg vom Messegelände, hin zur City. Zu Fuß versteht sich. Motive wollen bei einer Festbrennweite eh erlaufen werden. Ein Turm mit Aussichtsplattform als erste Station. Schei… was drauf. Fotografiere ich eben die Ansicht, die alle fotografieren. Nur weil’s alle fotografieren, wird’s nicht schlechter, aber auch nicht besser. „Und, wie war es?“, fragt mich der Turmwächter als ich wieder rausmarschieren will. „Trotz der Glasscheiben richtig gut!“, sage ich. „Habe ich doch gesagt.“ Ja ja, was Turmwächter so sagen, wenn sie dir Geld aus der Börse locken wollen. Ach ne, denke ich, als ich auf die Hohenzollernbrücke zulaufe. Das nächste todfotografierte Kölnmotiv: Liebesschlösser. Die Liebe in Ketten. Ist ja wie bei dieser unsäglichen Liebesschmonzette „Shades of Grey“ – und drücke dennoch auf den Auslöser.

Und so geht’s dann munter weiter: Selbst in der Eckkneipe, in der ich zu Mittag einkehre, und im Programmkino drücke ich auf den Auslöser. Schräge Blicke ernte ich nicht ein einziges Mal. Kölner sind Verrückte wie mich offenbar gewohnt. Der Kölner nimmt alles mit Humor. Nun ja, fast alles. Als ich in der Kneipe anmerke, dass ich Kölsch, zumal noch alkoholfrei, für ein merkwürdiges Gebräu halte, ist’s Schluss mit lustig. Ich mache schnell noch ein paar Fotos, um mich als Touri in Erinnerung zu bringen. Funktioniert einwandfrei. Alles wieder gut.

Draußen an der frischen Luft spricht mich ein japanisches Pärchen an. Sie geben sich alle Mühe mir auf Deutsch zu erklären, dass ich sie fotografieren möge. Ich antworte auf Englisch und fotografiere sie vor dem Dom ohne Köpfe. So habe ich das zu Negativzeiten immer gemacht. Ich weiß, ein bisschen frech, aber irgendwie auch lustig – für mich. Aber keine Sorge, ich habe immer auch ein schönes Foto gemacht. So auch diesmal – im digitalen Zeitalter ist der Witz eh nur sehr begrenzt haltbar. Sie gucken ein wenig verdutzt als sie die Bilder am Monitor kontrollieren. Ich grinse und muss an alte Negativzeiten denken. Plötzlich merke ich, dass ich doch so langsam Lust aufs Fotografieren bekomme. Selbst meine Spielefreaks, die ich wohlbehalten vor der Messehalle wieder einsammle, lichte ich noch ab. Ein schönes Motiv am Ende von 8 Stunden Köln mit 80mm…